Wir fahren nach Berlin. Overnighter – Doublenighter

Teil Zwei des Wochenendes in Berlin mit Besuch der Fahrradschau.
Unseren overnighter von Freitag auf Samstag verbringen wir in einer für Berlin besonderen Höhenlage. Der Ausblick von hier ist (vom Fernsehturm mal abgesehen) einzigartig über die Stadt. Und genau dies haben sich außer uns am frühen Samstagmorgen wohl auch eine Reihe „Berliner“ gedacht. In der Hoffnung auf einen sensationellen Sonnenaufgang wurden am Rand des Berges mehrere Kameras auf Stative geschraubt und minütlich bei aufsteigender Sonne ausgelöst.

Overnighter in einer Millionenstadt

Mich hat der zu großen Teilen mit Wolken verhangene Himmel nicht aus dem Schlafsack gelockt. Nicht mal ein einziges Bild war es mir bei den frostigen Temperaturen wert. Leider, muss ich nun im nachhinein gestehen.

Eine Reihe Fotografen habe ich in ummittelbarer Nähe von unserem Nachtlager postiert
Frühstück im Grunewald

Wegen des Windes verzichten wir auch auf den selbst gebrühten Kaffee und folgen gerne Thomas Tipp in ein kleines Kaffee zu einem Frühstück. Frisch gestärkt radeln wir anschließend gemeinsam zur Station. Die Fahrradschau mit ihrem breitgefächerten Angebot in Worte zu fassen, fällt echt nicht leicht. Es prasseln so viele faszinierende Dinge auf den Besucher ein, dass der erstmal gar nicht weiß, wo er zuerst hinschauen soll. Eine Änderung im Vergleich zum Vorjahr ist mir aber gestern schon während des Presserundganges aufgefallen: Es sind diesmal mehr von den Großen aus der Fahrradbranche vertreten. Zum Beispiel Canyon: Es werden nicht nur Räder für den urbanen Einsatz präsentiert, sondern auch die Kids-Area ist komplett mit Minibikes der Koblenzer Bikeschmiede bestückt. Rose ist vor Ort, ebenso Campagnolo. Gefühlt sind dadurch einige von den kleinen Rahmenschmieden auf der Strecke geblieben. Vielleicht täusche ich mich da aber auch. Unverändert schön ist jedenfalls die Kommunikation mit den Menschen, die hier ihre Produkte zur Schau stellen und jede auch noch so oft gestellte Frage gerne beantworten. Ich hoffe, dass die Bilder einen Teil der gesammelten Eindrücke wiederspiegeln können.

Derartig „geflasht“ verlassen wir am Nachmittag (beinah schweren Herzens) die Station um unseren zweiten overnighter-spot zu suchen. Ein Insider-Tipp geht in Richtung Norden, unser Bauchgefühl treibt uns jedoch gen Südosten. Wer ein Kartenbild unserer Hauptstadt studiert, wird feststellen, dass dort die Wasserflächen mit grünen Flecken drumherum zunehmen. Nadine von Velophil hat uns erzählt, dass es in Berlin eigentlich gar kein Fleckchen Erde gibt, an dem einem keine Menschen irgendwann im Tagesverlauf begegnen. Insofern sind wir „auf das Schlimmste“ gefasst. Andererseits, ein „Notbiwak zum Auffrischen der körperlichen Funktion kann einem ja niemand verwehren“, Zitat von Gunnar Fehlau. Und ein Zelt haben wir erst gar nicht im Gepäck, denn das ist in ganz Deutschland außerhalb von Campingplätzen ohnehin nicht erlaubt. Gespannt folgen wir also meinem GPS-track, vorbei an Kreuzberg, passieren Neukölln und cruisen durch eine Parkanlage bei Alt-Treptow.

Ein „Lostplace“ Nähe Treptow, eingezäunt
Döner statt Lagerfeuer und Grillen
Bild zu Dritt mit Trick. Fähre über die Spree
Unser superior Nachtlager
Früüühstück

Eine vermeintliche Brücke über die Spree entpuppt sich in Wahrheit als Fährstrecke. Wir erwischen die vorletzte Fahrt und haben danach nur noch wenige Kilometer bis Köpenick. Weil ein Lagerfeuer in Berlin ebenso tabu ist, wie wildes Campen, suchen wir uns auf der Strecke eine Gelegenheit zum Abendessen. Im Schützengrill, der namentlich irgendwie zu unserer Unternehmung passt, gibt es eine riesige Portion Döner mit allem. OK, damit kommen wir durch die Nacht und wenn es sein muss auch noch ein gutes Stück weiter 🙂 Hinter Köpenick wird es allmählich grüner und die Besiedelung dünner. Um uns herum ist es längst dunkel, als wir endlich in einen Wald eintauchen. Nach wenigen Kilometern erreichen wir unsere erste Möglichkeit zum Biwakieren, fahren aber dennoch ein Stück weiter. Zu dicht verläuft hier die Ausfallstraße aus der Stadt, uns ist es einfach noch zu laut. Der zweite „Spot“ zaubert uns dreien sofort ein Lächeln ins Gesicht. Hier bleiben wir, da müssen wir erst gar nicht beratschlagen. Ruckzuck sind die Schlafsäcke ausgerollt und das Feierabendbier vorgekramt. Wir verbringen eine total ruhige Nacht ohne Störung durch irgendwen oder -etwas. Entsprechend ausgeruht stoßen wir am Morgen mit einem Pott Kaffee auf Hansis und Dirks ersten Doublenighter an und genießen die Reste der Schokolade vom Vorabend. Unsere Fahrt geht zurück in Richtung Tempelhof. Dort möchte ich gerne dem Luftbrückendenkmal einen Besuch abstatten und mir das Ziel des „Candy B. Gravellers“ etwas genauer anschauen. Außerdem ist das Flugfeld sowieso einen Besuch wert. Beladen mit der Geschichte des alten Flughafens setzen wir unsere Reise zurück in die Station fort. Nicht ohne einen weiteren Pitstop unterwegs. Die Schoki war dann doch etwas zu wenig für den ganzen Tag. Aral macht’s möglich und versorgt am Sonntagmorgen nicht nur Autofahrer mit Energie…Der Fahrradschau statten wir einen weiteren Besuch ab. Ein paar Stände gibt es noch, die wir Samstag noch nicht ausgiebig besucht haben. Außerdem macht die event-area Spaß, wo sich die Bike-Polo Spieler heftige Gefechte leisten. Die Jungs liefern eine ziemlich akrobatische Leistung auf ihren nur mit Vorderradbremse ausgestatteten Rädern ab. Am späten Nachmittag heißt es Abschied nehmen von der Station, von Berlin. Natürlich nicht ohne eine obligatorische Currywurst. Die gönnen wir uns noch am Brandenburger Tor, auf dem Pariser Platz. Der riesige Hauptbahnhof versprüht noch einmal das reinste Großstadtfeeling, bevor wir gegen halb fünf unseren Zug in Richtung Kassel besteigen. Eine Rechnung haben wir jetzt noch offen: Den Mauerradweg, den haben wir gar nicht mehr auf die Kette bekommen. Berlin, wir kommen wieder 🙂

Hier noch eine kleine Gallerie mit weiteren Impressionen:

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3 thoughts on “Wir fahren nach Berlin. Overnighter – Doublenighter

  1. Signe

    Wie immer sehr nett zum Lesen ☺

  2. Thomas

    Scheint ja ein sehr schönes Wochenende gewesen zu sein.

    1. Mario Schön

      allerdings, das war es! Auf diese Art haben wir Berlin mal aus einer ganz anderen Sicht kennengelernt 🙂

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