Vier Tage Rhönesien

Die Rhön ist schön, so einfach lässt sich dieses bis zu 950m hohe Mittelgebirge kurz und bündig zusammenfassen.

Dort standen Anfang September ein paar Tage Biken mit meiner lieben Frau auf dem Plan. So ziemlich in der Mitte der Rhön, in Ehrenberg-Seiferts, haben wir unser Basislager eingerichtet, um von hier aus vier Tage lang Touren zu unternehmen. Das kleine Örtchen kannte ich bislang nur als Etappenpunkt vom Rhönmarathon. Strategisch günstig gelegen, denn ab hier lässt sich prima eine Art Dreiländergiro fahren. Unweit entfernt liegt Birx, direkt am Dreiländereck Hessen, Thüringen und Bayern.



Wir starten daheim Sonntagfrüh, parken unser Auto am Hotel und düsen mit unseren Bikes los. Ina mit elektrischem Antrieb, ich habe mein Twentyniner dabei. Unsere erste Fahrt taufe ich auf Milseburgründchen. Denn die „Burg“ navigieren wir direkt an, fahren geschickt dran vorbei und schließlich auch noch drunter durch 🙂 Jawoll, das geht nämlich auf dem wunderbaren Milseburgradweg. Die Durchfahrt erinnert sehr stark an den Deiseler Tunnel auf dem R1, ist nur ein bisserl länger. Und kälter! Unterwegs noch einen Kaffee trinken klappt leider nicht, die einzige Möglichkeit dazu bietet sich direkt hinter dem Tunnel (östliche Richtung) und hier fahren wir, weil irgendwie voll touristisch, eisenhart dran vorbei. Zurück am Hotel haben wir 32 Kilometer und 600 Höhenmeter gesammelt. Kaffee und Kuchen gibt es hier natürlich auch. Dem Akku von Inas Pedelec hat die Tour nur ein müdes Lächeln abgerungen. Strom bekommt aber trotzdem zur Belohnung. Drei von fünf Strichen sind noch übrig. Hurray, das lässt hoffen für die nächsten Touren.

Tag zwei bricht mit dem schönsten Wetter an, das man sich vorstellen kann! Unser erstes Ziel heute Morgen ist aber der Supermarkt in Wüstensachsen. Menno, hab meine Zahnbürste vergessen…und das trotz aller Pack-Routine! Bei der Gelegenheit frischen wir unsere Verpflegung auch gleich noch auf. Davon haben wir gestern schon einiges mehr „verbrannt“, als gedacht. Für heute ist viel Aussicht geplant, drei Gipfel wollen wir erstürmen. Das sind die Wasserkuppe, der Himmeldunkberg und der Gangolfsberg. Dazwischen überqueren wir durchaus noch weitere Buckel, deren Namen ich aber nicht kenne. Nach etwa der halben Strecke sind wir in Bischofsheim und gönnen uns erstmal Kaffee mit Kuchen beim Italiener. Der anschließende Ritt durch die Kuppenrhön kostet noch mal ganz schön Körnchen und weil auch der Akku langsam dicke Backen macht, verzichten wir lieber auf den Abzweig über den Heidelstein. 54 Kilometer und beachtliche 1300 Höhenmeter schlagen zu Buche.

Tag drei ist Erholungstag. Bedeutet, wie bei richtigen Profis, dass natürlich trotzdem gefahren wird. Nur in einem etwas anderen Modus 😉 Grobes Zwischenziel ist Fladungen. Dummerweise liegt da ein ordentlicher Höhenzug zwischen uns, der sich auch nicht ganz so einfach umfahren lässt. Zunächst kurbeln wir rauf bis kurz vor Birx und biegen dann zum riesigen Basaltsteinbruch ab. Eine klasse Aussicht bietet sich dort, sogar eine Aussichtsplattform gibt es. Hinter Frankenheim folgt eine über 10 Kilometer lange Abfahrt bis hinunter nach Fladungen. So was kenne ich eigentlich nur in den Alpen! Natürlich suchen wir hier wieder nach Kaffee und Kuchen, werden aber leider nicht fündig. In der folgenden Auffahrt bietet sich aber ein ruhiges Plätzchen, wir genießen die Fernsicht und naschen von unserem eigenen Proviant. Immerhin müssen wir nun wieder 400 Höhenmeter am Stück bis zum schwarzen Moor fahren. Auf dem Weg dorthin lockt uns noch mal die Sennhütte zu einem kurzen Einkehrschwung. Warum auch nicht, ist ja Erholungstag 🙂 Hinter dem Moor biegen wir zum Dreiländereck ab und verpassen es beinah, so unscheinbar steckt dort ein Holzpfahl im Boden. Drei Schildchen und ein kleiner Stein deuten die Richtung der jeweiligen Länder an: Hessen, Thüringen und Bayern. Irgendwie hatte ich an diesen Punkt eine andere Erwartungshaltung. Die Abfahrt bis Seiferts ist, weil steil, schnell erledigt. Immerhin: 34 Kilometer und 830 Höhenmeter. Für Erholung nicht schlecht…

Am vierten Tag wollen wir’s noch mal richtig wissen und auch den Akku des Pedelecs an seine Grenze fahren. Unser Plan nennt sich „Naturerlebnis“. Klingt vielversprechend und ist es am Ende tatsächlich auch. Zuerst lenke ich uns mal irrtümlich genau in die entgegengesetzte Richtung, um unseren Track zu erreichen. Nach drei Kilometern auf dem Radweg, als wir schon in Thaiden sind, dämmert mir, dass da irgendwas nicht stimmt. Egal, der Umweg dient quasi dem Warmfahren, ansonsten hätten wir gleich nach dem Start im Steilhang gestanden. Boa, das geht ganz schön hoch. Inamaus schaltet mal eben in „Turbo“ und ich sehe sie nur noch von hinten. Und dann gar nicht mehr! Ich muss nämlich mal Schieben! Über 25% schaffe ich mit meiner 1×11 Übersetzung nicht. An den Abzweigen wartet meine Liebe aber mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen auf mich. Ich komme ordentlich in Schweiß. Wir passieren wieder das schwarze Moor, diesmal von der anderen Richtung kommend und biegen dann nach Roth ab. Vor der Rother Kuppe landen wir auf dem Gelände des riesigen Rhön-Park-Hotels. Auf einem Schleichweg arbeiten wir uns drumherum. Irgendwo zwischen einem Basaltsee und dem Holzberg legen wir an einer Bank mit genialer Aussicht eine ausgedehnte Mittagspause ein. Vorbei am Münzkopf führt uns der Track über den Heidelstein und dann auf dem Europäischen Fernwanderweg geradewegs zurück zum Hotel. Die Strecke darf den Namen Naturerlebnis zu Recht tragen, wir haben so schöne und wirklich ruhige Gegenden kennengelernt. Die 54 Kilometer und 1400 Höhemneter waren jeden Tropfen Schweiß wert. Und auch Ina’s Akku zeigt endlich mal Schwäche. Noch eben ein Strich mit 3 Kilometer als Reststrecke. Punktlandung!

Donnerstag ist Abreise. Schade, an den morgens gedeckten Tisch und das super Frühstücksbuffet haben wir uns gerade gewöhnt. Auch unser Zimmer, das den Namen Rhönesien trägt, mit einer kompletten Mooswand auftrumpft und eine topografische Landkarte der Rhön unter die Decke gedruckt hat, räumen wir echt ungern. Zum Trost besuchen wir noch das Kloster auf dem Kreuzberg und das Neustädter Haus. Hier kann ich als krönenden Abschluss unseres Kurz-Urlaubs den „Flowtrail“ nochmal testen, den tags zuvor zwei Biker so angepriesen haben. Und für kostenlose Nutzung und nicht-Bikepark hat der Trail einiges zu bieten. Jedenfalls viel mehr, als ich mir mit meinen Fahrkünsten so zutraue. Zum Glück gibt es aber bei allen größeren Hindernissen „chickenways“, so dass auch weniger Springlustige heile unten ankommen. Wer in der Nähe ist, sollte den Trail mal ausprobieren, der Spaßfaktor ist groß.

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2 Thoughts to “Vier Tage Rhönesien”

  1. Wolle

    toller Bericht … liest sich wie „geschnitten Brot“. In die Rhön muss ich unbedingt noch mal hin.
    Originell, die Schäferwagen 🙂

    1. Mario Schön

      Von Kassel aus ist es bis in die Rhön echt nur ein Katzensprung, geht auch mit der Bahn 1a 🙂 Sollten wir bei den Sternen ins Programm für nächstes Jahr aufnehmen 🙂

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