Die Rennsteig-Ersatztour oder der Blick zur Wartburg

Eigentlich wollten wir ja den Rennsteig mal wieder komplett befahren. Mit den Jungs der SG-Stern Kassel. Aber es kam, wie es mit so gut wie allen geplanten Vorhaben gekommen ist: Sie wurden Opfer der Pandemie, also keine Wochenendtour auf dem MTB. Der erste Frust über die strengen Verordnungen hat sich gelegt und nun gibt es ja die neuen, aktualisierten Verhaltensregeln. Diese sind auch für Sportler zum Glück seit letzter Woche etwas gelockert worden, so dass wir kein schlechtes Gewissen hatten, zu dritt auf eine Bikepackingtour zu starten. Der Plan war, dem Herkules-Wartburg Weg bis zum Anfang des Rennsteiges zu folgen, um dann an einem Spot im Thüringer Wald zu übernachten. Am nächsten Tag sollte es zurück über Creuzburg gehen, immer entlang der „Alternativstrecke“ durch das Werratal, zurück bis Kassel.

Am Freitag Mittag treffen wir uns also am beschriebenen Weg, der nur ein paar Hundert Meter entfernt an meinem zu Hause vorbeiführt. WIR bedeutet in diesem Fall, dass mich Dirk und Hansi begleiten werden.

Da stehen wir in voller Pracht am Eingang zum Rennsteig

Der Track führt ziemlich stringent nach Osten, in Hessisch Lichtenau gönnen wir uns im Café im Brauhaus? Nee, kein Bier! Es gibt stattdessen Kaffee und leckeren Kuchen. Ganz regelkonform müssen wir unsere Adressen samt Telefonnummer und Uhrzeit des Besuches hinterlassen. Angeblich werden die Zettel nach vier Wochen in Anlehnung an die DSGVO wieder vernichtet. Hinter dem Ortsschild von Heli -wie das Städtchen im Volksmund so schön heißt- geht es bergab, inklusive einer Brise Rückenwind aus dem Westen. Dem Herkules-Wartburg-Weg lässt sich tatsächlich beinah komplett ohne zusätzliche Navigation am Lenker folgen. Auffällig ist jedoch, dass je weiter östlich man radelt, die Hinweis-Schilder immer blasser werden. Ob hier die UV-Strahlung stärker ist?? Also immer schön die Augen auf!

Wir kommen mit den bepackten Rädern gut voran, sogar viel schneller als gedacht und erreichen Creuzburg ausreichend früh für die Verproviantierung. Dabei unterläuft uns ein folgenschwerer Fehler, wie wir später feststellen mussten: In Hessen geht nichts über Hausmacher Bratwurst, also die Grobe, nicht vorgebrüht. So etwas ähnliches gibt es in Thüringen auch, aber es ist auf keinen Fall das Gleiche. Nicht mal annähernd! Selbst wenn es optisch den Anschein hat. Die abgepackte Thüringer Rostbratwurst, die im Kunststoff so weißlich schimmert, haben wir im Kühlfach verschmäht. Ich hatte sie in der Hand, hätten wir die mal genommen. Nun denn, das sind eben Erfahrungen, die es zu sammeln gilt. Bevor wir aber unseren Spot oben im Wald ansteuern, legen wir kurz entschlossen auf dem Stiftsgut Wilhelmsglückbrunn ein Päuschen ein. Weil wir nun kurz vor unserem Tagesziel sind, steht einem Bier nichts mehr im Wege. Das dafür notwendige Pandemie-Prozedere kennen wir ja schon…Im Wald herrscht während der Auffahrt himmlische Ruhe, wir sind bis auf ein Wanderpaar völlig allein unterwegs. Die Sonne steht noch knapp über dem Horizont, als wir unseren Spot mit genialer Aussicht erreichen. Zum Glück sind neben dieser seltsamen Wurst auch noch andere Dinge wie Oliven, Salat und Chips im Einkaufswagen gelandet. Für den größten Hunger hat Dirk die Instant-Nudeln aufgesetzt 🙂

Die Nacht verläuft sehr ruhig, den befürchteten Nachtfrost hat es nicht gegeben. Wir bereiten uns ein kleines Frühstück mit Porridge, etwas Obst, Müsli und natürlich Kaffee. Die Heimreise führt uns über den Bergbaupfad hinunter an das Werraufer, zurück nach Creuzburg, wo wir nun dem Lauf der Werra folgen. Treffurt, Wanfried, Eschwege und Bad-Soden-Allendorf sind die größeren Städtchen auf dem Track. In Hann. Münden gönnen wir uns noch ein Eis, bevor wir die Stadtgrenze von Kassel überrollen.

Das war also unsere erste etwas ausgedehntere Bikepackingtour. Für die zwei Tage notiere ich 243km mit 1300 Höhenmetern (Freitag: 90,4km und 811Hm, Samstag: 152,8km und 496Hm). Die nächste größere Runde führt wieder hoch in den Norden, an die Küste….dort gibt es noch eine offene Rechnung!

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