Mai-Overnighter und eine Premiere

Eine ganze Weile geisterte die Idee schon in meinem Kopf herum: Start daheim mit dem Rennrad, hoch auf die Wasserkuppe, Aussicht genießen, Lagerplatz suchen und am nächsten Tag wieder zurück fahren. Wirklich begeistern konnte ich in meinem direkten Umfeld niemanden mit der Idee. Das Rennrad auch mal ordentlich zu bepacken scheint ein Tabu-Thema zu sein, warum auch immer.  Dabei bietet auch das enormes Spaßpotential!

EsWirdHuegelig
Die Rhön grüßt schon mit ein paar Ausläufern

Einen guten Zeitpunkt für so einen Ausflug zu finden ist nicht immer ganz leicht. Das Wochenende nach Himmelfahrt war unerwartet perfekt für die Umsetzung meiner Idee geeignet. Einziger Wehrmutstropfen: Ich muss alleine fahren. Und das war dann auch die Premiere, denn bislang war ich auf einem overnighter noch nie allein unterwegs. Eigentlich macht es mindestens zu zweit schon mal doppelt Spaß! Aber was half es, Gelegenheiten muss man nutzen. Sogar die Elterliche Einladung zum Spargel essen habe ich dafür sausen lassen. Die Route hatte ich schon vor ein paar Monaten mal durch outdooractive berechnen lassen und dem Portal blind vertraut. Naja, nicht ganz, aber schon über weite Strecken. Etwas leichtsinnig, wie sich später herausstellte. 130 Kilometer und 1750 Höhenmeter warteten auf mich. Eine besondere Routenpreferenz, also entweder besonders flach, oder kürzeste Strecke konnte ich nicht wählen. Einzige mögliche Option: Fahrradnutzung. Und das passte am Ende echt gut, da will ich gar nicht meckern. Wenngleich nicht immer die optimalen Radstrecken gewählt wurden, aber das habe ich eben auch erst unterwegs bemerkt. Es macht durchaus Sinn, wenigstens ein zweites Portal mit der Streckenberechnung zu beauftragen und dann auch mal die Profile zu vergleichen! Wen die Strecke interessiert, kann sie sich hier anschauen: Klick  Auf jeden Fall ist der Straßenbelag komplett Rennradtauglich gewesen (obwohl ich da auch nicht mehr so zimperlich bin. Schotter schreckt mich schon länger nicht mehr ab ;(  ) Bundesstraßen waren auch nur ganz kurze Abschnitte dabei, also auch in dieser Hinsicht gibt es nichts zu bemängeln. Nur im Profil habe ich mich ein wenig verschätzt. Das Mehrgewicht durch Gepäck und ein schlechter Trainingszustand ist nicht zu unterschätzen. Hinzu gesellte sich ein penetranter Gegenwind. Zwischen Malsfeld und Bad Hersfeld hat mich dann auch noch der Pannenteufel überrascht. Der Schaltzug des Umwerfers hat sich plötzlich mit einem Klick verabschiedet. Der Pömpel am Zugende im Schalthebel hat einfach den Geist aufgegeben. In anbetracht meines schon erwähnten bescheidenen Trainigszustandes war das jetzt nicht soo tragisch. Das große Blatt hatte eh wenig Arbeit. Aber auf dem Rückweg wollte ich darauf aber auf gar keinen Fall verzichten! Also hieß es reintreten was das Zeug hielt, denn es war Samstag und da haben die meisten Fahrrad-Shops nur bis Mittag geöffnet. Alle Versuche unterwegs, einen Bowdenzug von entgegen kommenden Radlern zu ergattern, scheiterten. Aber immerhin konnten sie mir einen Bikeshop in Bad Hersfeld beschreiben. Diesen habe ich dann auch tatsächlich gefunden, dank der kleinen Tempoeinheit sogar noch rechtzeitig vor Ladenschluss.

Meine Rettung: Der Bikeshop in Bad Hersfeld
Meine Rettung: Der Bikeshop in Bad Hersfeld

Leider hatte ich wohl ein wenig zu viel Druck auf die Pedalen gegeben, wie sich später herausstellte. Denn als ich endlich die ersten Schilder zum Übergang in das „Biosphärenreservat Rhön“ las, meldeten die Oberschenkel erste Anzeichen einer Übersäuerung. Und so musste ich dann in Eiterfeld (den Ort werde ich wohl nie wieder veregessen) einen Notstop im Aldi einlegen. RedBull, Apfelschorle und Wasser halfen mir wieder ein wenig auf die Beine. Ausreichend Nachschub Flüssigkeitsnachschub hatte ich unterwegs leider etwas vernachlässigt. Sowas rächt sich! Im weiteren Verlauf der Strecke war ich gezwungen, immer mal wieder ein Päußken für die Schenkel einzulegen. Am Nachmittag kamen dann tatsächlich erste Bedenken auf, den Gipfel der Wasserkupppe überhaupt noch vor Sonnenuntergang zu erreichen. Als ich dann aber unterhalb von Dietges das Wahrzeichen des Berges, das Radon, endlich sehen konnte, gab es kein halten mehr. Es war gegen 18 Uhr, als ich auf dem 917 Meter hohen Gipfel stand. „Mission accomplished“ war die Botschaft nach Hause 🙂

GipelWasserkuppe
Höchster Berg Hessens
WasserkuppenSelfi
Das Radon, Wahrzeichen der Wasserkuppe
Enzianhütte
Die Enzianhütte
Basislager
Nachtlager im Wald

Wat ein Wetter...
Wat ein Wetter…

Nun galt es einen Lagerplatz zu finden. In der Karte hatte ich bereits die Enzianhütte ausgemacht. Vom hören sagen war sie mir schon ein Begriff. Allerdings wollte ich nicht darin übernachten, aber eine Nutzung der sanitären Anlagen und ein ordentliches Frühstück waren schon verlockend. Außerdem ist’s auch noch eine Alpenvereinshütte. Die Anfahrt bedeutete aber noch mal 200 Höhenmeter zusätzlich. Den Aufwand schiens mir wert zu sein. Überraschenderweise war die Hütte bis auf das letzte Bett belegt, nicht mal im Biwak war noch Platz. Gegen eine Dusche und Frühstück gab’s keine Einwände, beides hat mich 8,50EUR gekostet. Da kann man nicht meckern 🙂 Meinen Schlafplatz habe ich abseits der breiten Wege und in ausreichender Entfernung der Hütte gelegt.

GipfelWasserkuppe
Wasserkuppenblick
Pausenbild
Pause auf dem Rückweg

Und das war auch gut so, denn es herrschte bis Mitternacht ordentlich Partystimmung! Die Nacht war ansonsten ruhig, natürlich bin ich ein paar mal aufgewacht und habe den Geräuschen des Waldes gelauscht. Das Zelt zu benutzen war eine gute Idee, denn von den Bäumen rieselte es wegen des Windes ordentlich runter. Das Frühstück war klasse und eine gute Vorbereitung für den Rückweg. Der verlief ohne weitere Zwischenfälle auf annähernd gleicher Strecke. Erst ab Melsungen habe ich den Weg etwas angepasst. In Summe habe ich 285 Kilometer und 3200 Höhenmeter gesammelt.

FinisherEis
Ein Snack in Melsungen

 

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6 Thoughts to “Mai-Overnighter und eine Premiere”

  1. Thomas

    Schönes Ding.
    Um den beschriebenen Hungerast beneide ich dich allerdings nicht.
    Die Seite outdooractive.com werde ich mir mal anschauen.

    1. Mario Schön

      Ein echter Hungerast war’s zum Glück nicht. Ich habe aber sehr deutlich meinen Trainingsrückstand zu spüren bekommen und eine „dysbalance“ in den Oberschenkeln, die wohl noch vom Anriss des Kreuzbandes stammt. Aber trotzdem hat die Tour richtig Spaß gemacht! Outdooractive ist eben noch eines unter den Tourenportalen, das aber mit einem klasse Kartenbild daher kommt. Außerdem finde ich die Angaben zum Untergrund (Asphalt, Schotter, Pfad) immer sehr hilfreich. Das kenne ich von anderen Portalen in diesem Stil nicht…

  2. Schweizer

    Hallo Mario
    Ich habe eine ähnliche Idee das letzte Wochenende gehabt und bin von immenhausen zum Edersee geradelt. Meine Höhenmeterbilanz ist natürlich nicht mit der deinigen zu vergleichen, aber oneway waren es auch 105 km . Nach getaner Arbeit dann ein kühles Bierchen und Übernachtung auf dem Zeltplatz in der Bringhäuser Bucht. Möglicherweise kann ich mich künftig am monatlichen Overnighter beteiligen.
    Grüße Schweizer

  3. Dirk

    Super , wäre gerne dabei gewesen. ;( vieleicht beim nächsten mal.

  4. signe

    Hut ab!!!!! 🙂

  5. zinser

    Geile Nummer !! Respekt.

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