Auf dem Mühlhäuser Landgraben

Bereits im letzten Jahr erzählten mir die beiden „Schmidties“ von ihrer Befahrung des Mühlhäuser Landgrabentrails. Begeisterung war in ihren Ausführungen zu hören. Und meine Neugier natürlich geweckt. Die Internet-Recherchen brachten relativ schnell auch einiges an zusätzlichen Informationen ans Licht. Außerdem stand die Tour sogar schon in der Bike, das will schon mal was heißen!

Das Wegsymbol des Mühlhäuser Langrabens: Ein stilisierter Turm im Graben stehend

Die Rückmeldungen auf meine Anfrage zum Interesse an der Tour im Kreise der Sternler und Funbiker waren eher verhalten ausgefallen. An sich auch kein Wunder, denn der Ostersamstag ist eben alles andere, als ein günstiger Termin für eine Tagestour. Trotzdem sind wir immerhin zu siebt auf Reisen gegangen: Jana, Signe, Nobby, Stefan Hansi und Benni bildeten mit mir das Mühlhäuser-Landgraben-Expeditionsteam. Den ursprünglichen Plan, die Anreise bis Mühlhausen mit dem Zug zu erledigen, hatte ich relativ schnell wieder verworfen. Zu umständlich, zu teuer und zu lange dauert die Bahnfahrt bis Mühlhausen. Zusätzlich noch die Ungewissheit, wie viel Mitfahrer sich einfinden und ob dann auch alle im Zug mitgenommen werden. Also fiel die Wahl auf’s Auto. Das war auch kein Problem, denn direkt von einem kleinen Parkplatz in Eigenrieden (ab Niestetal 84 km) konnten wir sofort auf den Mühlhäuser Landgrabentrail abbiegen. Fröstelnde 6°C empfingen uns dort, obwohl sich Sonne und Wolken abwechselten. Es dauerte aber gar nicht lange, bis uns alle eine wohlige Wärme durch die Knochen fuhr.

TrailEinstieg
Auf dem Trail unterwegs: Nobby, Jana und ganz vorne Benni

Keine langen, aber dafür knackige Anstiege brachten uns in Wallung. Jetzt konnte ich die Kommentare in diversen Foren zum Trail auch viel besser verstehen, in denen von fiesen Wurzeln und Brücken in übelstem Zustand zu lesen war. In der Tat, keine Übertreibung und ob die Wahl meines Bikes für die Tour am Ende die Richtige war?

Gefahrenstelle
Das sind die sichtbaren Stolperstellen, gemeiner sind die unter Laub und Bärlauch!

Natürlich musste das Fatty seine Trailtauglichkeit beweisen, was es auch getan hat, keine Frage. Aber mit dem Fully fährt es sich auf solchen Strecken wohl doch bequemer, wie ich am Tag danach deutlich spüren konnte. Ich schieb’s mal auf den neuen Sattel, dass ich lieber auf zwei Kissen anstatt auf einem Stuhl ohne Polster sitzen mochte 😉 Doch mit Jana hatte ich eine Mitstreiterin, die sich unermüdlich über den Trail und mit ihren erst 14 Jahren ordentlich Respekt erarbeitet hat.

Bärlauch
Bärlauch prägt an vielen Stellen den Waldboden und den Duft auf der Strecke!

Schon wenige Hundert Meter nach dem Start lagen die ersten Bäume quer über dem Weg. Es sah aus, als wären gerade die „Holzwerber“ unterwegs gewesen. Etwas stutzig wurden wir dann nach etwa fünf Kilometern, als die quer liegenden Bäume schon gar nicht mehr so frisch aussahen, sondern dick mit Moos überwachsen waren. Die lagen also etwas länger dort herum. Aus dem Weg hatte sie aber trotzdem keiner geschafft. Warum auch wegen einem vielleicht 30cm schmalen Pfad…..Immerhin ist dieser Weg eine als Kulturdenkmal eingetragen Wallanlage. Seine ursprüngliche Funktion war der Schutz des ehemaligen Könisgutes Mühlhausen vor Raubritterüberfällen. Etwas mehr Hintergrundwissen findet sich übrigens hier: link
Der Trail misst insgesamt circa 24 Kilometer und ist wegen umgestürzter und nicht beseitigter Bäume stellenweise schwierig befahrbar. Wir konnten es kaum glauben, dass wir nach der halben Strecke schon eine Verpflegungspause einlegen mussten. Der Untergrund forderte viel mehr Körnchen als gedacht, wenngleich das Höhenprofil nicht mal Bike-Einsteiger sonderlich erschrecken würde.

Bruecke
Die erste größere Brücke, nicht mehr ganz neu…
Bruecke2
Diese Brücke hingegen machte direkt einen vertrauenserweckenden Eindruck!

Streng nach Norden ging es Anfangs, dem Waldrand folgend. Oberhalb von Struth bogen wie in Richtung Zella ab, wo der Wald in einen schmalen Streifen überging. Es erinnerte ein wenig an den Hermannsweg, der ähnlich, aber als deutlich breiterer Streifen über den Kamm des Teutoburger Waldes führt. Selten hatten wir den Eindruck, den Wald tatsächlich zu verlassen. Schaut man allerdings in die Landkarte, wird offensichtlich, wie schmal der bewaldete Streifen eigentlich ist. Mehrere „Warten“ passierten wir unterwegs, was auf ehemalige Standpunkte von Wachtürmen hinweist. Von den Türmen ist inzwischen leider nichts mehr zu sehen, es weisen aber Tafeln auf ihre ehemalige Existenz hin. Von der Eigenröder Warte sind es nur noch gut 1,5 Kilometer bis Kleinkeula, wo der Landgraben endet.

Schienenverkehr
Das ist nicht etwa der Landgraben, sondern die Bahnstrecke, die wir notgedrungen wegen Baumfällungen benutzen mussten…
EigenröderWarte1
Die Eigenröder Warte, hier eine kleine Schutzhütte…
EigenroderWarte
Und der Hütte gegenüber ein hübsches Landhaus

Wenig später machte uns ausgerechnet hier die Hinterlassenschaft eines Harvesters einen dicken Strich durch die Rechnung, oder besser gesagt Planung und den Weg absolut unpassierbar. Wir waren bis dahin wirklich nicht zimperlich mit der Wegewahl, sind sogar strenger dem  Grabentrail gefolgt, als es der heruntergeladenen GPS-Track vorsah, aber hier gab es kein Durchkommen mehr. Auch der Wille, sich die Schinderei noch anzutun, war nicht mehr wirklich vorhanden. Somit drehten wir ein ganz klein wenig früher als geplant in Richtung Südwesten bei und winkten der Sollstedter Warte eben nur aus der Ferne zu. Nur wenig später kämpften wir uns über einen quasi nicht vorhandenen Feldweg am Rand des Schalchenroder Forstes bis auf einen „normalen“ Forstweg. Sehr zur Freude aller, denn inzwischen hatte der raue Untergrund seine Spuren bei uns hinterlassen. Aber auf dem Schotter ging es nun plötzlich mit gefühlter Warp-Geschwindigkeit in Richtung Ausgangspunkt unserer Tour zurück. Im Zickzack-Kurs durchfuhren wir Kaisershagen und nahmen den Norden von Mühlhausen ins Visier.

Bachquerung
Durchquerung der Unstrut mit tückischer Strömung

Kurz vor der „Mühlverstedts Mühle“ durchquerten wir noch die Unstruth an einer Furt, die viel harmloser aussah, als sie dann tatsächlich war. Es gab auf Grund der starken, aber zuvor nicht erkennbaren Strömung ein paar nasse Socken 🙂

HansiUndStefan
Die zwei Recken haben die Furt nahezu trockenen fußes gemeistert: Hansi und Stefan
ImFeldweg
Hier wurd’s richtig warm, weg mit den Jacken. Auf dem Bild: Jana und Signe, hinten Stefan

Weit und breit war von Wald nun nichts mehr zu sehen, nur noch Felder, so weit das Auge blickte. So stellt man sich das Eichsfeld vor.

EichsfeldPanorama
Eichsfelder Panorama

Der Hollenbacher Steingraben machte seinem Namen dann noch mal alle Ehren: Schotterweg in Gardasee-Niveau. Etwas gemein war, dass die letzten 10 Kilometer bis zurück zu unserem Parkplatz permanent aufwärts führten und noch mal ordentlich Schmalz gekostet haben.

Nach der Tour ist vor der Tour: Benni war schon fleißig und hat den Track für die nächste Tour ein wenig überarbeitet. Der Trail soll im nächsten Jahr einen Platz im Sternen-Kalender finden. Wer möchte, kann ihn sich hier schon mal Laden:

Auf der Runde haben wir übrigens insgesamt 44km und 680Hm zurückgelegt.

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9 Thoughts to “Auf dem Mühlhäuser Landgraben”

  1. signe

    …übrigens, ich melde mich hiermit schon mal für das nächste Mal an 🙂

    1. Mario Schön

      🙂 OK, du bist registriert!

  2. Nobby

    Hallo Mario, super Bericht. Wie du dir immer die ganzen Details merken kannst, Respekt. War super und auf jeden Fall wiederholungsbedürftig. Gruß Nobby

    1. Mario Schön

      Danke, du weißt ja wie das ist: Es muss erstmal einer das Gegenteil vom Geschriebenen behaupten 😉
      Nee, Scherz beiseite: Ich schaue mir fast immer den Track hinterher nochmal an und wenn ich Bilder mit dem iphone aufnehme, kann ich mir ja sogar die Aufnahme-Positionen anzeigen lassen. Das ist manchmal echt hilfreich! Die Runde fahre ich auch gerne ein weiteres Mal!!

  3. Klaus

    Toller Bericht. Tolle Tour. Aber Stell dir das ganze noch einmal mit blühendem Bärlauch vor. Alles ist dann ein grüner Zwiebelteppich mit entsprechendem Duft.

    1. Mario Schön

      Ohja, kann ich mir jetzt gut vorstellen. Ich glaube, im Eichsfeld ist der Bärlauch erfunden worden, soviel wie es dort davon gibt! Danke für deinen Tipp, die Tour im Frühjahr oder im Herbst zu fahren. Wenn es noch mehr „grünt“ wird es wirklich schwierig mit dem Trail. Und im Herbst sollte es dann unbedingt trocken sein, ansonsten gibt’s eine schöne Rutschpartie!

  4. Hansi

    einen so langen Trail habe ich bisher noch nicht gefahren!
    Es stimmte alles, Wetter, Strecke, An- und Abreise, Abschluss Hefeweizen !!!

    Mario, danke für die Org.

    1. Mario Schön

      🙂 Man muss auch mal Glück haben! Mit dem Wetter zumindest, die restlichen Punkte waren durchaus zu beeinflussen 😉 Mir hat es auf jeden Fall auch total Spaß gemacht. Die Gruppe war auch mal etwas gemischter als üblich. Ich denke, dass sollte man auch weiter im Auge behalten.

  5. Signe

    sehr schön war es …trotz masser Füsse 🙂

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