„Same Sun“ im Open-Air Kino Kassel

Was gibt es Schöneres, als an einem lauen Sommerabend unter freiem Himmel einen Film über eine außergewöhnliche Fahrradtour zu genießen? Genau das war beim Open-Air-Kino Kassel möglich, als Wiebke Lühmann mit ihrem Film „Same Sun“ bereits zum zweiten Mal in Kassel Station machte. Der Hinterhof des Dock4 bot eine fantastische Kulisse, und die Vorstellung war nicht nur ausverkauft, sondern gefühlt sogar noch ein bisschen mehr. Kurz gesagt: voller hätte es kaum werden können.

„Same Sun“ hatte ich bereits im April auf der Cycling World in Düsseldorf gesehen. Damals konnte Wiebke Lühmann leider nicht persönlich dabei sein. Umso schöner war es nun, Film und Filmemacherin gemeinsam erleben zu können.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Filme über Fahrradreisen. Viele sind sehenswert, manche geraten schnell wieder in Vergessenheit. Und dann gibt es diese besonderen Werke, die herausstechen. Für mich gehört „Same Sun“ genau in diese Kategorie. Deshalb hat sich auch das zweite Anschauen absolut gelohnt.

Für den Verkauf ihres Buches „Immer Richtung Süden“ hatte sich Wiebke prominente Unterstützung geholt: Hannah Schröder, die gemeinsam mit ihrer Schwester Greta durch ihre beeindruckende Bikepacking-Reise durch Afrika bekannt geworden ist. Diejenigen, die sich mit Fahrradreisen beschäftigen, dürften bei den Namen sofort aufhorchen.

Wer die Gelegenheit hat, den Film zu sehen oder einen Blick in das Buch zu werfen, sollte sie unbedingt nutzen. Afrika ist ein Kontinent voller Gegensätze und Geschichten. Seine enorme Größe, die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, die Vielfalt der Länder und Kulturen sowie die bis heute sichtbaren Folgen der Kolonialgeschichte machen jede Reise zu einer besonderen Erfahrung.

Dabei ist „Immer Richtung Süden“ beziehungsweise „Same Sun“ weit mehr als die klassische Dokumentation einer Fahrradreise. Natürlich geht es ums Radfahren, um Landschaften und das Unterwegssein. Im Mittelpunkt stehen jedoch vor allem die Menschen, Begegnungen und Emotionen. Der Film zeigt offen die Höhen und Tiefen einer langen Reise, erzählt von Zweifeln, Einsamkeit, Freude, Überforderung und Glücksmomenten. Diese Ehrlichkeit sieht man selten. Und genau das macht den Film so stark. Er nimmt das Publikum emotional mit und lässt einen nicht einfach nach dem Abspann los. Stattdessen bleiben viele Gedanken hängen.

Besonders eindrucksvoll war daher auch das anschließende Publikumsgespräch mit Wiebke Lühmann. Themen wie Kolonialisierung, Ausbeutung und Machtstrukturen wurden offen angesprochen. Es ging nicht nur um Erlebnisse auf dem Fahrrad, sondern auch um die Frage, wie historische Entwicklungen bis heute nachwirken und unseren Blick auf andere Länder prägen.

Was bleibt?

Zwischen Fernweh, Abenteuerlust und gesellschaftlicher Reflexion schafft „Same Sun“ etwas, das nur wenigen Reisefilmen gelingt: Der Film inspiriert nicht nur zum Aufbrechen, sondern auch zum Nachdenken. Und genau deshalb ist er eine echte Perle unter den vielen Fahrradreise-Dokumentationen.

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