Willingen ist bekannt: Für seine Skiflugschanze, den Ettelsberg und ausufernde Partys, das ganz Jahr hindurch. Willingen ist aber auch ein klasse Ausgangspunkt für Radtouren durch das Sauerland. Super für Bahnreisende aus Hessen: Für Gruppen bis fünf Personen gilt das Hessenticket, die Fahrradmitnahme ist kostenlos. An einem Wochenende im September habe ich für die SG-Stern Radsportler eine dreitägige Gravelbike-Tour angeboten. Mit Start und Ziel in Willingen.

Für diese Tour habe ich feste Unterkünfte gebucht. Einfach deshalb, um möglichst vielen Interessierten an einer Graveltour die Teilnahme zu ermöglichen. Nicht jeder hat die nötige Ausrüstung zum Campen oder möchte es einfach auch nicht. Es macht allerdings auch schon Spaß, für eine Gruppe mal eine Übernachtungsmöglichkeit abseits des Mainstreams zu finden. Das ist mir für den ersten Abend zumindest gut gelungen. Für die zweite Übernachtung hatte ich ein wenig Erholung im Hinterkopf, also „Wellness“ sollte sich irgendwie genießen lassen. Auch das hat geklappt, allerdings gibt es hierfür noch Luft nach oben….
Tag 1, die Anreise und die erste Etappe (Willingen – Bad Berleburg)
- Wir nutzen für die Anreise von Kassel nach Willingen die Bahn (kurz vor Abfahrt wechseln wir noch schnell von Gleis 4 auf Gleis 6. Ist für uns kein größeres Problem , wir sind ja sportlich…andere weniger…
- Willingen verlassen wir schnellstmöglich Richtung Südwesten, über die Hochheide-Hütte (keine Einkehr heute, viel zu früh)
- Nächster Spot ist die Ruhrquelle, die sogar noch ein wenig tröpfelt, trotz der Dürreperiode in diesem Sommer
- In Winterberg machen wir eine kleine Kaffepause. Unsere „Spürnase“ (Martin) für lecker Kuchen hat ein bis zwei Kaffees für uns ausfindig gemacht. Wir entscheiden uns für das Größere (nicht zuletzt auf Empfehlung einer Einheimischen). Café Engemann, wirklich klasse! Wir haben knapp 25 Kilometer in den Beinen
- In leicht welligem Gelände und auf besten Schotterpisten bewegen wir uns dem Kreis Siegen-Wittgenstein entgegen. Und erreichen den tiefsten Punkt unserer heutigen Strecke auf 445 Meter ü.n.N.
- Über vier Kilometer steigen wir bis auf 735 Meter auf (Gaulskopf). Ich schwitze nicht wenig
- Knapp 10 Kilometer folgen wir einem Kammweg, grandioses Panorama mal rechts, mal links des Weges
- Klar, die ewig hungrigen halten unterwegs für den Nachschub von Kohlenhydraten auch mal an 😉 Allein die Aussicht ist das schon wert
- Nach etwa 55 Kilometern erreichen wir unseren ersten Etappenort, Bad Berleburg. Zum Abschluss des Tages gibt es einen Einkehrschwung im italienischen Eiscafé Veneto (sehr leckerer Kaffee!)
- Nicht weit entfernt befindet sich unser Hotel: Das Capitol. Nicht nur Hotel, sondern – ÜBERRASCHUNG – auch Kino 🙂 Das Gebäude wurde 2023 komplett saniert und um einen Anbau ergänzt. Entsprechend modern ist die Einrichtung
- Unser Abendprogramm ist der Film: Das gewisse Etwas Sehr unterhaltsam!
Hier die Streckenplanung des ersten Tages bei Komoot:
Tag 2, Sauerland pur (Bad Berleburg – Cobbenrode)
- Wir müssen heute Morgen zunächst ein paar Kilometer auf der gestrigen Strecke zurück fahren. Eine Wegsperrung überbrücken wir einfach über die Straße (geht im Notfall auch mit einem Gravelbike ganz easy 😉 )
- Es geht nun über gut 20 Kilometer stetig bergauf. Manchmal auch steil (sacksteil!) bis auf 752m
- Das Wetter ist viel besser als erwartet und angesagt! So können wir immer wieder das geniale Panorama des Hochsauerlands genießen
- Irgendwann treffen wir anscheinend auf die Strecke einer CTF oder einer ähnlichen Veranstaltung. Nicht wenig Mountainbiker sind hier unterwegs. Was genau dahinter steckt, können wir nicht aufklären
- Vor der Hütte vom Skiclub Girkhausen brennt ein riesiges Lagerfeuer, betreut von einer Person. Mitten im Nichts. Den Grund habe ich nicht richtig mitbekommen…es hat sich zugezogen und es ist auf der Höhe maximal ungemütlich. Also schnell weiter
- Wir streifen einen Teil des „Waldskulpturenweg„. Selbstverständlich nicht ohne ein Foto zu machen 🙂
- Im Rhein-Weser-Turm hat uns Martin für die Mittagseinkehr angemeldet. Die kommt auch genau zur rechten Zeit. Hier ist ganz schön Betrieb!
- Es trennen uns nur noch ca. 25 Kilomter vom nächsten Etappenziel. Die müssen sich aber „verdient“ werden
- Irgendwann erblicken wir das am Berg liegende Hotel. Ein Haus, das viel verspricht….
Hier die Streckenplanung des 2. Tages bei Komoot:
Tag 3, die Rückfahrt im Regen (Cobbenrode – Willingen)
- Der morgendliche Blick aus dem Fenster lässt schon erahnen, wie das Wetter heute wird. Alles steht auf Regen…
- Erstmal ausgiebig Frühstücken. Vielleicht überlegen sich die Wolken noch einen anderen Weg
- Gleich beim Start volle Regenausrüstung. Es dauert nicht lange, bis uns warm wird
- Kurzer Stopp beim Bäcker in Bad Fredeburg. Die frisch geschmierten Semmeln wandern aber direkt ins Gepäck, Kaffee fällt aus, weil uns die Regenwolken im Nacken sitzen. Die Jungs wollen unbedingt weiter, ich hab die Aussichtslosigkeit einer Flucht aber schon erahnt 🙂
- Eine halbe Stunde vergeht noch, in der sich das Wetter nicht entscheiden kann. Aber dann werden die Schleusen geöffnet…so richtig und bleiben es bis Willingen
- Ich glaube, wir hätten heute durchaus noch schöne Aussichten genießen können. Aber in den Wolken und dem Regen verschwimmt einfach die Welt um uns herum
- Komisch, so richtig Spaß kommt heute irgendwie nicht auf. Obwohl Andreas doch immer sagt: „That’s Part of the game“ … klar, immer nur Sonne ist auch doof. Das haben wir diesen Sommer ja erleben dürfen
- Im Anstieg hinter Niedersfeld entscheiden wir uns für eine kleine Abkürzung. Die ist aber viel steiler als gedacht.
- Am „wurzeligen Track“ treffen wir auf unseren geplanten Track und entscheiden uns kurzfristig, die Hochheide Hütte anzufahren. Erstaunlich voll ist es drinnen. Anscheinend haben wir alle den gleichen Plan: Etwas abtrocknen und dann weniger frierend bis Willingen abfahren. Der Plan geht nur zum Teil auf. Ich friere nach dem Germknödel, einem Pott Kaffee und alkfreiem Pils trotzdem wie ein Schneider.
- Wir erreichen den Bahnhof Willingen. Und „erfreuen“ uns an der Anwesenheit zweier Männer-Gruppen, die meinen, Party für alle machen zu müssen….naja, Willingen eben. Es ist wirklich an der Zeit, dass das Städtchen an diesem Image arbeitet!
- Dass wir in Korbach stranden, muss ich nicht extra erwähnen, oder? Zwischen Arolsen und Korbach ist ein Triebwagen der Bahn liegen geblieben und blockiert die Strecke….wir diskutieren kurz die Fahrradfahrt nach Arolsen, um von dort mit einem Zug bis Kassel zu fahren. Lohnt nicht wirklich, weil der Folgezug schon unterwegs ist
- Ich gebe derweil einen türkischen Tee beim Dönerladen um die Ecke aus. Um kurz nach 17 Uhr geht es dann weiter bis Kassel. Inzwischen sind wir auch wieder vollständig getrocknet 🙂
Hier die Streckenplanung des 3. Tages bei Komoot:
Bilder von unterwegs
Was bleibt?
Das Sauerland taugt einfach, nicht nur Mountainbiker kommen in den dortigen Bikeparks auf ihre Kosten. Abgelegene Schotterpisten mit klasse Aussichten machen den Tourentag sehr kurzweilig. Trotz aller Abgeschiedenheit findet sich irgendwann doch immer eine Gelegenheit für einen Kaffee oder zur Einkehr. Wir sind nicht vielen Wanderern begegnet, aber wenn, waren diese Zusammentreffen immer sehr nett, es gab keinerlei Konflikte.
Die Steigungen sind nicht sehr lang, können aber auch mal 18-20% erreichen. Gravelpisten lassen sich sehr gut mit Radwegen oder kleinen Straßen kombinieren. Dadurch können auch sehr viel längerer Strecken gefahren werden, als wir das an diesem Wochenende getan haben. Mit sechs Personen war unsere Gruppengröße optimal. Dennoch war es nicht ganz einfach, Unterkünfte zu finden. Es gibt eine große Auswahl an Bauernhöfen mit Ferienwohnungen, diese sind aber nicht nur für eine Nacht zu buchen. Mit noch mehr Personen wird es schwieriger.
Ich möchte nicht versäumen, auf den Treckkingpark-Sauerland hinzuweisen! Dafür hat sich die Region etwas besonderes einfallen lassen: Wer eine Übernachtung im Wald bucht, kann im Bedarfsfall kostenlos den ÖPNV nutzen! Das Ticket ist in der Buchung enthalten. Aktuell stehen 13 Trekkingplätze zur Verfügung.

























