Im letzten Moment konnte ich mich zur Teilnahme an der SG-Stern Tour noch melden. Thomas hatte die Planung für sieben Sternenbiker eigentlich schon abgeschlossen. Der Solling sollte es werden. Mit dem Mountainbike. Kennt jemand den Solling? Der Naturpark Solling-Vogler im Weserbergland wird meiner Ansicht nach hinsichtlich seines Bike-Potenziales ein wenig unterschätzt. Immerhin bildet er das zweitgrößte, geschlossene Waldgebiet in Niedersachsen.

Die Anreise und „der Plan“
Und da haben wir schon die Crux: Von Hessen die Grenze nach Niedersachen per Bahn und Bike im Gepäck zu überschreiten bedeutete, jeder muss sich ein „Fahrradticket“ kaufen. Erschwerend kam hinzu, dass Start- und Endpunkt dieser Tour nicht zusammenfielen. So lange es sich jeweils um größere Städte handelt, ist das weniger ein Problem. Im Naturpark Solling-Vogler ist das aber schon eine Herausforderung, Bahnhöfe sind dort rar. Unseren Startpunkt markierte Bodenfelde, die Übernachtung lag in Höxter. Unser Ziel am zweiten Tourentag war Holzminden. Wer nun platt auf die Landkarte schaut, stellt fest: Die Orte liegen ja gar nicht so weit auseinander. Das ist auch vollkommen korrekt, unsere Logistik wurde dennoch auf eine harte Probe gestellt. So weit ich mich erinnere, die härteste überhaupt. Unsere Anreise wurde eine echt wilde Mischung aus Kombinationen und durchaus unterhaltsam.
Unter den acht Teilnehmern befanden sich neben mir zwei weitere „Bikepacker“. Das rief mich auf den Plan, die Anreise von Kassel bis Bodenfelde einfach mit dem Bike zu erledigen. Die Zustimmung der Beiden für diesen Plan lies nicht lange auf sich warten. Hansi buchte für drei Personen mit Bike und Zelt einen Platz auf Campingplatz Gieselwerder, Andreas checkte für Rückfahrt von Holzminden am Sonntag alle nur denkbaren Bahnverbindungen. Gieselwerder liegt nur fünf Kilometer von Bodenfelde entfernt. Dass wir ausgerechnet in dieser Nacht einen der wenigen Gewitterschauer abbekommen, hätte nicht unbedingt sein müssen. Immerhin hatte es sich dadurch bereits in der Nacht angenehm abgekühlt. Besonders schön: Im Nahkauf von Bodenfelde ließ sich am Samstagmorgen vor der Tour wunderbar Frühstücken. Nebenbei wurden wir dort unfreiwillig Zeugen des Dorfgeschehens, weil neben uns ein „Rentner-Stammtisch“ tagte 🙂 Neben dem politischen Weltgeschehen wurde auch das nächtliche Gewitter diskutiert.
Samstagmorgen, kurz vor 10 Uhr: Großes Treffen am Bahnhof Bodenfelde. Also fast: Dass die Bahn für Unpünktlichkeit berühmt ist, bedarf eigentlich keiner zusätzlichen Erwähnung. Hermann wagte dem zum Trotz die morgendliche Anreise mit einer Kombination von Auto und Bahn. Und verpasste dadurch unseren Start um 10 Uhr in Bodenfelde 🙂 Nun, der Zug war tatsächlich mal pünktlich, aber eine falsche Beschriftung aneinander gekoppelter Züge stiftete die Verwirrung… Lange Rede: Wir trafen uns an diesem Tage dennoch, nur eben anders und später als geplant.
Thomas hatte die Streckenführung zu großen Teilen Komoot überlassen. Ein paar Überraschungen bei den Wegbeschaffenheiten blieben in der Folge nicht aus 🙂 Unser erster Tourentag war von sehr viel Wald und mehr oder weniger sanften Hügeln des Solling geprägt. Trotzdem musste ich als Bio-Biker mindestens einmal den Schiebemodus einlegen. Die Highlights des Tages waren der Sollingturm, die Aussicht und Trailabfahrt von „Lug ins Land“ und die Mittags-Einkehr im „Zum Weserdampfschiff“ in Bad Karlshafen. Am Abend checkten wir ins Flair Hotel Stadt Höxter ein. Dank Stefans Organisationskünsten konnten die Autos noch von Bodenfelde nach Höxter geholt werden. Grüße und Dank an die Taxifahrerin Heike!
Der Sonntag beinhaltete etwas weniger Strecke und Höhenmeter, konnte dafür aber mit höheren Temperaturen (30°C) und noch mehr Landschaft überzeugen. Zu den Highlights dieses Tages gehörten ein cooler Trail, der Ortsname „Fohlenplacken“, die Mittagseinkehr beim Dönermann in Dassel und die etwa 12 Kilometer lange Abfahrt zum Abschluss unserer Tour (Hellental bis Holzminden). Das wurde unterwegs schon regelrecht unheimlich, beinah alpines Feeling. Ursprünglich sollte unsere Tour in Holzminden enden (Bahnhof). Da die Autos nun in Höxter parkten, waren die gut 10 Kilometer auch keine große Sache mehr. Außerdem konnten wir uns (bis auf Hermann, der todesmutig nochmal die Bahn nutzte und daheim ankam) auf die vorhandenen Fahrzeuge aufteilen.
Vielen Dank Thomas für die klasse Runde durch den Solling, auf der wir einmal mehr viel Neues entdecken konnten!
Was bleibt?
„Die Bahn bietet dir eines der letzten Abenteuer unserer Zeit“ (mein eigenes Zitat). Wer den Nervenkitzel sucht, der wird hier fündig. Es gibt auch ein paar positive Beispiele, die aber oftmals nur deshalb positiv verliefen, weil sich „jemand“ auskannte! Das ist ein unschätzbarer Vorteil. Ansonsten zeichnet sich eine große Offenheit für nicht geplante Situationen grundsätzlich aus.
Der Solling leistet mit viel Landschaft und ist auch für das Gravelbike super für die Erkundung geeignet. Wir hatten Glück mit dem Wetter, besser gesagt, waren wir während der dritten Hitzeperiode des Jahres unterwegs. Die Wälder waren noch relativ grün, es hatte den Anschein, dass es hier etwas mehr Niederschlag gegeben hat als andernorts. Dennoch war die Weser schon fußläufig zu durchqueren, wenn wir denn gewollt hätten.

























Hallo Mario,
schöner Bericht – wie immer! Der Solling ist eine total unbekannte Schönheit, gut, dass Du sie in Erinnerng rufst.
Zur DB: Ganz kann ich dem nicht folgen. Seit Mitte Mai mit dem Deutschlandticket 12 mal pünktlich, mit Rad und Deutschlandticket 4 mal pünktlich – keine einzige Verspätung.
Von Frankreich (Anfang Mai) mit TER-Zügen (wie Regionalexpress) und DB von Chalon nach Frankfurt: neun verschiedene Züge (!), alle pünktlich und immer passte das Umsteigen.
Glück gehabt?!
Beste Grüße Gert
Hallo Gert,
freut mich, dich immer noch als Leser an Bord zu haben 😃
Und danke der Blümchen!
Hm, auf der von dir geschilderten Reise mit der Bahn glaube ich, hast du wirklich Glück gehabt. In unserer Familie wird regelmäßig die DB benutzt. Zwischen Frankfurt, Gießen, Marburg, Kassel. Auf diesen Strecken ist in Sachen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sehr viel Luft nach oben. Gleiches gilt unserer Erfahrung nach in Richtung Westen, Ruhrgebiet…
Aber es macht Hoffnung, wenn es, wie in deinem Falle, durchaus mal positive Nachrichten über die Bahn gibt. Ich fahre selbst schon gern damit!
Viele Grüße
Mario